02.11.2011

Titellos, noch.

Im Erste-Hilfe-Raum roch es klischeeträchtig nach Desinfektionsmittel und einer Mischung aus Mottenkugeln und Leder.
Der Raum war nicht sonderlich groß. Gleich neben einem weißen Tisch, auf dem drei Boxen in unterschiedlichen Größen und eine plastische Darstellung des menschlichen Gehörgangs standen, war ein Wandschrank mit zwei massiven Türen, an dem ein Zahlenschloss hing. Der Boden war ihm fahlen Licht des Mondes grau und dreckig.
Links stand ein Feldbett, auf dem eine knittrige Steppdecke lag. Darunter ein weißes Kissen, das in der Mitte zusammengedrückt worden war.
Helenas Hand hatte ihre Wärme verloren, die sie kurz zuvor noch so intensiv ausgestrahlt hatte. Mittlerweile fühlte sie sich schwer und unförmig in meiner an.
Ich tastete im Halbdunkeln nach dem Lichtschalter, blieb an einem Bilderrahmen hängen und fluchte leise auf.
Das Bild wackelte einen Moment. Unsicher, ob es herunter fallen sollte. Dann eppte die Bewegung ab und es blieb krumm an der Wand hängen. Meine Finger tasteten wieder nach dem kleinen Lichtschalter.
Augenblicke später blinkte die weiße Leuchtröhre über unseren Kopf auf und tauchte unsere Gesichter in gespenstische Masken.
„Ich weiß nicht, aber mir ist das Licht zu grell.“, sagte Helena und ihre geröteten Wangen sahen im Licht seltsam aus.
„Ich kann es auch wieder aus machen.“, bat ich ihr an und Helena nickte.
Sekunden später standen wir wieder im Dunkeln und ich konnte spüren, wie Helenas kleiner Finger zuckte.
Der Mond war Dreiviertelvoll und als ich den schweren Vorhang zur Seite gezogen hatte, war genug Licht im kleinen Sanitärräum um das Nötigste zu erkennen.
„Wollen wir uns setzen?“, fragte Helena. Sie nahm noch vor meiner Antwort Platz und kratze verlege an ihrem Brustbein.
„Ich glaube, ich bin allergisch auf die Theaterschminke.“ Sie blickte besorgt an sich herunter.
„Lass mal sehen.“, sagte ich und nahm neben ihr Platz.
„Es juckt.“
Sie hatte den oberen Knopf ihrer Bluse geöffnet und ich konnte einen leichten roten Fleck erkennen, als hätte sie einen Sonnenbrand.
Ich legte ihr meine kalten Finger auf die juckende Stelle und Helana schloss lächelnd ihre Augen.
„Das tut gut.“
Einen Moment verharrte meine Finger regungslos. Dann, ganz langsam, nur millimeterweiße glitten sie ihren Hals entlang. Ich spürte ihr Blut durch die Adern pulsieren.
Ich beobachtete die Mimik ihres Gesichtes, während sie weiter ihre Augen geschlossen hielt. Meine Finger glitten ihren Hals hinauf, verharrten an der Stelle, wo der Kiefer begann und Helena öffnete ihre Augen. Sie sah mich an, als würde sie mich, zum allerersten Mal sehen. Aber nur für einen kurzen Augenblick, sodass ich schon glaubte, mir das ganze nur eingebildet zu haben.
„Weißt du, was meine Lieblingszene in dem Stück ist?“, fragte sie dann.
Aus unerfindlichen Gründen hatte sie angefangen zu Flüstern. Ich tat es ihr gleich.
„Nein…“
„Es ist die, in der du nach meinem Handgelenk greifst, und mich entschlossen an dich ziehst. Die, in der deine Augen immer etwas geheimnisvolles haben. Etwas was ich nicht deuten kann. Was denkst du in diesem Moment?“
Ihre Haare waren durch das Tragen der Perrücke zerzaust und wild.
Ich lächelte verschmitzt.
„Hat es etwas mit mir zu tun?“, fragte sie aufgeregt.
Ich nickte und küsste sie. Ihre Lippen war noch ein wenig klebrig vom Sekt.
„Du wirst mir nicht sagen, an was du dabei denkst, nicht wahr?“
Ich strich ihr über die Wange.
„Nein.“
Helena lächelte süffisant.
„Aber es spricht doch nichts dagegen, wenn du mir es zeigst. Oder?“
Sie drückte ihren Körper eng an meinen, ich spürte ihren weichen Busen gegen meine Brust drücken und ihre Finger hatten sich an meinem Hinterkopf vergraben.
Eine Weile saßen wir auf dem Feldbett, vergruben unsere Finger in die weichen Körperstellen des anderen, verschlossen unsere Münder mit fordernden, adrenalinpulsierenden Lippen und ließen uns vom blauen Mondlicht in grau schimmernde Figuren verwandeln.



Ab sofort wird meine enorme Freizeit wieder mehr für's Schreiben genutzt. Ich habe vor 2,5 Jahren mit dieser Geschichte angefangen. In meinem Kopf ist sie schon fertig, aber trotzdem habe ich bis jetzt gerade mal 60 Seiten zu Papier gebracht. Das bin ich gar nicht von mir gewöhnt. Meine beiden ersten Bücher gingen locker von der Hand und der Großteil meiner Frezeit ging für das Schreiben 'drauf'- . Doch bei diesem bin ich fast schon zu 'überfüllt' mit Ideen. Kann mich kaum entscheiden, welche Szene ich als nächstes schreibe und habe Angst, einer Idee nicht die notwendige Aufmerksamkeit und Ausführlichkeit zu schenken. Oft hat es mir dann auch einfach nur  an der guten Zeit und Muse gefehlt. Doch hier jetzt in Neuseeland, wo ich Mittags immer 6 Stunden Zeit habe, möchte ich einfach zu einem Ende kommen. Oder zumindest ein gutes Stück weiter. Ab morgen wird sich hingesetzt und geschrieben.

Kommentare:

ℓαυяα hat gesagt…

boha O.o wahnsinn wie toll du schreiben kannst!

Josephine hat gesagt…

Wie, du hast zwei Buecher geschrieben?

Sanzibell hat gesagt…

echt schöner blog :)

♥ lieben Gruß.

franzi hat gesagt…

danke für dein süßes kommentar, hat mich echt sehr gefreut!
und der ausschnitt ist wahnsinnig toll geschrieben, gefällt mir sehr sehr gut!

liebst, franzi

Louisa hat gesagt…

Vielen lieben Dank für dein süsses Kommentar!
:-)
Tolle Bilder hast du hier!